Ein Jahr als Pate

Was auf einer Gartenparty zufällig begann und zu einer Bereicherung meines Lebens wurde: Die Patenschaft für drei junge, afghanische Männer.

Letztes Jahr im Sommer, als unser altes Wirtshaus Wahlheimat für junge Männer aus Afghanistan und Syrien wurde, gab es im alten Biergarten eine schöne Kennenlernen- Party zwischen Helfern und Flüchtlingen. Mir war da noch nicht klar, wie genau ich helfen wollte. Vielleicht eine Stunde pro Woche, so viel Zeit wollte ich investieren, in der ich einen Sportkurs anbiete? Aber erstmal Kennenlernen dachte ich. Danach wird mir schon was einfallen. Doch dann kam Natalia aus dem Organisationsteam des Helferkreises auf mich zu und fragte, ob ich mir eine Patenschaft vorstellen könnte. Ihr seien zwei Paten abgesprungen, weil die Befürchtung „es nicht richtig zu machen“ zu groß war. Die beiden waren ja mit Beruf und Familie auch gut ausgelastet. Als mir die drei Jungs dann vorgestellt wurden und mich mit großen Augen ansahen, konnte ich nicht anders als mich dieser Herausforderungen zu stellen.

„Es richtig machen“: Was heißt das eigentlich? Nach einem Jahr kann ich sagen, es gibt kein richtig. Jeder Mensch, den man trifft, ist unterschiedlich und hat unterschiedliche Bedürfnisse und Anforderungen. Als kleinsten gemeinsamen Nenner kann ich wohl sagen, man muss mit Briefen und Behörden helfen. Wobei auch da, die Gemeinschaft der jungen Männer mithilft. Es ist also nicht immer notwendig, bei jedem Behördengang dabei zu sein. Dank moderner Kommunikationsmedien muss man auch nicht immer vor Ort sein, um einen Brief auf akuten Handlungsbedarf zu prüfen. Bei der Beurteilung, was man alles mit den Behörden beachten muss oder was als nächster Schritt ansteht, hat der Helferkreis Greifenberg Asyl mittlerweile viel Wissen angesammelt, welches Zentral per Internet oder App abgerufen werden kann. Auf dieser Ebene braucht also keiner Angst haben, alleine gelassen zu werden. Man kann nur davon ausgehen, dass man sich über die Entscheidungen und sich immer ändernden Rahmenbedingungen ärgern wird.

Aber wie gehe ich mit den jungen Männern um? Was kann ich machen, um in Kontakt zu kommen? Auch hier gibt es kein Patentrezept. Man sollte sich als Pate klar machen, dass es sich um junge z.T. traumatisierte Männer aus anderen Kulturkreisen handelt. Es wird zwangsläufig zu Missverständnissen kommen. Aber bis dato haben die sich auch alle aufgelöst.
Ich hatte mich damals für einmal Treffen pro Woche entschieden, wo ich Deutsch mit den Jungs gelernt habe. Das hat suboptimal geklappt, da man in einer Stunde einen Analphabeten, einen der immer nur englisch redet und einen das lateinische Alphabet kennt, aber kein englisch spricht, schlecht unter einen Hut bekommt. Andere Paten haben mit Spiele angefangen. Egal, was man macht, es kann sein, dass die Jungs sich nicht dafür interessieren, verschlafen oder oder oder. Aber es gibt auch immer wieder welche, die nehmen die Angebote dankbar an. Ich für mich habe entschieden, dass es einfach wichtig ist, dass sie wissen, es ist jemand da, an den sie sich bei Problemen wenden können. Ich gehe immer noch regelmäßig zum Deutschlernen hin. Wobei das mitgebrachte Lernmaterial auch mal liegen bleibt und man einfach nur quatscht. Soviel Deutsch können die beiden, die noch da sind, mittlerweile. Da bleib ich dann auch nicht nur eine Stunde. Es gibt immer Tee und manchmal isst man auch zusammen. Denn Gastfreundschaft war und ist den Jungs immer wichtig.

Die Zeitinvestition hat sich bei mir also dann doch erhöht, weil ich auch daheim viel recherchiert habe, ob nun über was afghanischen Flüchtlingen alles blüht oder was das Internet alles an Lernmaterial bereitstellt. Aber ich möchte keine Stunde davon missen. Also wer sich überlegt, ob er vielleicht auch im direkten Kontakt mit Flüchtlingen helfen soll, mein Rat: Einfach machen! Es ergibt sich schon dann das „richtig machen“.

Petra Sadowski